XICöATL: Ausgabe 74
INHALT: Ergebnis des 4. Literaturwettbewerbs XICöATL "W. A. Mozart"
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Herzlichen Glückwunsch Amadé! - Luis Alfredo Duarte Herrera
"YAGE, Verein für lateinamerikanische Kunst, Wissenschaft und Kultur" hat im Jahr 2005 den 4. Literaturwettbewerb XICöATL "W. A. Mozart", unter der Schirmherrschaft der Salzburger Landesregierung und des Magistrats der Stadt Salzburg veranstaltet. Es nahmen 265 TeilnehmerInnen aus 28 Ländern, nämlich aus Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Deutschland, Ecuador, El Salvador, Frankreich, Guatemala, Israel, Italien, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Nepal, Nicaragua, Österreich, Panama, Peru, Portugal, Puerto Rico, Russland, Schweiz, Spanien, Uruguay, USA und Venezuela teil. Mit der Absicht, uns ebenfalls den Aktivitäten dieses Jahres zur Weltweiten Feier des 250. Geburtstages des genialen Komponisten Mozart anzuschließen, veranstalteten wir einen Literaturwettbewerb für die Gattung Erzählung mit dem Thema W. Amadé Mozart.
Die Preise: Es gab 3 Preise zu Je € 500.- zu gewinnen. Außerdem, Ehrenurkunden für die besten Werke.
Die Jury setzte sich wie folgt zusammen:
Für Portugiesisch: - Dr. Friedrich Frosch, Dozent für Portugiesisch am Institut für Romanistik an der Universität Wien, Verfasser zahlreicher Publikationen und Vorträge über brasilianische Literatur. Für "Tendenzen der zeitgenössischen brasilianischen Lyrik" erhielt er den Theodor-Körner-Preis 1994. Zahlreiche Übersetzungen verschiedener bekannter portugiesischsprachiger Autoren. Zahlreiche Übersetzungen für das Lateinamerikanische Kulturmagazin XICöATL. - Dr. Phil. Elóide Kilp, Universitätsdozentin für Deutsch und Portugiesisch, Brasilianische Literatur und Kulturwissenschaft, Übersetzung, Methodik und Didaktik des Portugiesischen an der Pontifícia Universidade Católica do Rio Grande do Sul-PUC-RS und der Universidade Federal do Rio Grande do Sul- UFGRS in Brasilien. Von 1992 bis 2003 als Portugiesischdozentin an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und von 1995 bis 2002 als Sprachtrainerin bei der Audi Akademie in Deutschland. Seit 2003 an der Universität Salzburg verantwortlich für die portugiesisch-brasilianische Sprache und Kulturwissenschaft. Unter den Publikationen Werke für Portugiesisch wie "Langenscheidts Grundwortschatz Portugiesisch" als auch für die Fremdsprachendidaktik in der Erwachsenenbildung wie "Aspekte einer Spielandragogik". - Dr. Gerhild Reisner. Geboren in Graz. Lehrtätigkeit an verschiedenen Gymnasien in Österreich. Langjähriger Aufenthalt in Brasilien - dort Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft (PUC), Übersetzer- und Dolmetschausbildung für Englisch-Portugiesisch in Rio de Janeiro. Seit 1993 Lehrtätigkeit am Institut für Romanistik der Universität Salzburg im Bereich Portugiesisch-Brasilianisch. Mehrere Übersetzungen für das Lateinamerikanische Kulturmagazin XICöATL - Mag. Sylvia Jutz. Studium Französisch/Portugiesisch an der Universität Salzburg, Fachbereichsreferentin am Fachbereich Romanistik der Universität Salzburg, freiberufliche Übersetzerin (Portugiesisch). Zahlreiche Korrekturen für das Lateinamerikanische Kulturmagazin XICöATL
Für Spanisch: - Dr. Kristin Müller, Nach absolviertem Studium der Romanischen Philologie und Kunstgeschichte(1968) zunächst als Assistentin, später Lehrbeauftragte, bzw. Univ. Lehrerin am Institut für Romanistik der Universität Salzburg beschäftigt. Seit den 1970er Jahren Spezialisierung auf Lateinamerika-Kunde mit mehrfachen Studienreisen in diverse Länder Lateinamerikas. An der Universität Sprachkurse, Proseminare und Vorlesungen zu Spanisch und Katalanisch, Ibero-Romanische Sprachwissenschaft, Landes- und Kulturkunde, sowie Literatur Hispanoamerikas. Zuletzt und bis zu ihrer Pensionierung 2003 auch Koordination des gesamten Spanisch-Unterrichts. - Mag. Judith Moser-Kroiss, Lehrbeauftragte an der Universität Salzburg. Übersetzungstätigkeit u. a. für das Literaturhaus Salzburg und das Museum der Moderne Rupertinum (Salzburg). Zahlreiche Übersetzungen für die Radiosendung Lyrik und Musik aus Lateinamerika (Radiofabrik Salzburg). Zahlreiche Übersetzungen für das lateinamerikanische Kulturmagazin XICöATL. - Mag. Dr. Eva Eckkrammer, Universitätsassistentin für romanische Sprachwissenschaft am Fachbereich für Romanistik der Universität Salzburg; zahlreiche sprach- und übersetzungswissenschaftliche Publikationen und Fachvorträge zum Kreolischen der ABC-Inseln sowie zur vergleichenden Textlinguistik; Verfasserin von Übersetzungen aus dem Papiamentu; Figdor-Preisträgerin für Sprach- und Literaturwissenschaft der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2000. - Dr. Luis Alfredo Duarte-Herrera, Doktor der Rechts- Sozial und Politikwissenschaft der National-Universität von Kolumbien, Künstler, Schriftsteller, Leiter von YAGE und XICöATL.
Die Jury für Spanisch entschied die Preise an folgende Erzählungen und Autoren zu vergeben: Der 1. Preis erging an die Erzählung "Concierto en si mayor", von Jesús OLIVA NAVARRO, einem spanischen Schriftsteller, der in Murcia lebt. Auf dem 2. Platz gab es ein "Unentschieden" zwischen "Die 42. Symphonie", einer Erzählung des Schriftstellern Juan PLANAS, der in Barcelona geboren wurde und seit seiner Kindheit in Buenos Aires lebt, und "Flüchtiger Ritt", einer Erzählung der argentinischen Schriftstellerin Mirta Alicia GISONDI, die in Ituzaingó/Argentinien lebt. Die Jury beschloss, das Preisgeld auf den beiden Schriftstellern aufzuteilen. Die Jury für Portugiesisch entschied einen Preis an folgende Erzählung und Autorin zu vergeben: "Mozarte", von Mariana Luiza MACEDO, eine brasilianischen Schriftstellerin, die in Macaé, Rio de Janeiro, Brasilien lebt. Folgende Autoren bekommen Ehrenurkunden: Jorge ANTUNES (Brasilien); Marcos Aurelio ARCAYA PIZARRO (Chile); Pablo Alejandro BRUNET (Argentinien); Antonio CALLE GONZÁLEZ (Spanien); Antonio DAGANZO CASTRO (Spanien); Samuel FIERRO FRANCO (Kolumbien); Félix Amador GÁLVEZ (Spanien); Fabiana GARCÍA (Argentinien); Florie KRASNI-QI (Spanien); Margarita Paulina MALLO (Argentinien); Anabela MIMOSO (Portugal); Eduardo POMBO (Argentinien); Alejandro José RAMÓN (Argentinien); Carola SAAVEDRA HURTADO (Brasilien); Juan María SOLARE (Argentinien); Santiago Blas TORALES (Argentinien); Germán F. TOUZA (Argentinien) und Valentina TRUNEANU (Venezuela);
YAGE, veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Verein Literaturhaus Eizenbergerhof am Donnerstag den 16. Februar 2006 um 19.30 im Literaturhaus Salzburg (Strubergasse 23, 5020 Salzburg) eine lateinamerikanische Hommage in Gedanken an Mozart unter dem Motto "Felicidades Amadé!" (Herzlichen Glückwunsch Amadé!) wo prämierte Werke des 4. Literaturwettbewerbs XICöATL gelesen werden. Bei den Lesung werden Jesús Oliva Navarro und wahrscheinlich auch Mariana Luiza Macedo, zwei prämierte Autoren, anwesend sein. Die herzliche Einladung geht selbstverständlich an alle. Die Vorstandsmitglieder und die übrigen Mitglieder von YAGE danken den Teilnehmern, der Jury und all jenen, die in Österreich, Europa, Lateinamerika und in der Karibik die Durchführung dieses Wettbewerbs ermöglicht haben.
Dr. Luis Alfredo Duarte-Herrera.
Konzert in H-Dur (Oder: Von Neuem frei sein) - Jesús Oliva Navarro
Jesús Oliva Navarro (Murcia, Spanien, 26.2.1982). Derzeit absolviert er das 5. Jahr seines Medizinstudiums an der Universität Murcia. Er erreichte den dritten Platz für Literatur im Rahmen des Wettbewerbs Creajoven 2003 (ausgeschrieben vom Stadtrat für Jugend der Region Murcia) und war Finalist im 3. Kurzroman-Wettbewerb für Jugendliche im Jahr 2003 (ausgeschrieben von der Vereinigung Tétrada Literaria).
Konzert in H-Dur
Der Regen fällt träge auf den Asphalt der dunklen Landstraße, durchbrochen nur vom Licht der Scheinwerfer von Elviras Auto, das ohne Eile die Kilometer frisst, die sie noch von ihrem Ziel trennen. Zum fünften Mal, seit sie im Morgengrauen losgefahren ist, betastet sie das Bündel auf dem Beifahrersitz. Scheinbar ist alles da, denkt sie, und kann entspannt weiterfahren. Nat King Cole interpretiert ein wunderschönes Stück im Autoradio, aber sie erinnert sich partout nicht an den Titel des Liedes. Als sich die Sonne über dem noch geschwärzten Horizont zeigt und die Landschaft um das Feld, durch das die Landstraße führt, in ihr Licht taucht, fährt Elvira jenen Umweg, den sie so gut kennt. Sie fährt ihn am sechsundzwanzigsten Tag eines jeden Monats, seit fast zehn Jahren. Es ist halb acht, als sie das Auto parkt. Vor ihr erhebt sich eine riesige Masse grauen Betons, die den Besucher einschüchtert wie eine mittelalterliche Burg. Sie erinnert sich daran, wie sie das Gebäude zum ersten Mal betrat, wie sie das Gewicht der Feuchtigkeit im Inneren spürte, wie sie weinen wollte, als sie sah, wie die Bewohner dort lebten. Aber wie gesagt, seither sind viele Jahre vergangen, und sie hat viel von diesen Leuten gelernt. "Pflegezentrum für Alzheimerpatienten" steht auf dem Schild am Eingang. Sie schlendert durch die Gänge, während sie die Leute anschaut, die in ihren Sesseln sitzen und schon seit ganz früh am Morgen die Fernsehnachrichten sehen, in der Hoffnung, endlich zu begreifen, was in der Außenwelt geschieht, und im Vertrauen, es so lange wie nötig im Gedächtnis behalten zu können. Viele von ihnen schaffen es nicht, aber es gibt einige, die sie grüßen, sie sogar aufhalten, denn sie erinnern sich doch daran, dass Elvira kommt, die Tochter von Jaime Castillo, immer pünktlich, immer als Erste, immer an diesem Tag. Als bei ihrem Vater die Krankheit diagnostiziert wurde, unterhielt sie sich mit einem Neurologen in Barcelona, verzweifelt auf der Suche, vielleicht nach einem Stein der Weisen, einer einzigartigen Therapie, von der niemand sonst in Spanien oder im Ausland Kenntnis hatte, sie klammerte sich an alles Mögliche und las über die Krankheit. Letzten Endes blieb ihr - wie den anderen - nichts Anderes übrig, als das Ganze zu akzeptieren. Zum Teil dank jenes Mannes. Während ihre Schritte in dem Gang widerhallen, der zu den Zimmern führt, erinnert sie sich daran, wie er sie bei der Hand nahm, während sie nicht aufhören konnte zu weinen und ihm sagte, dass ihr Vater nicht mehr derselbe sei, dass er sie nicht wieder erkenne. Er sprach mit ihr über die Krankheit, über das Gedächtnis und über die große Unkenntnis, die über das menschliche Gehirn und den menschlichen Geist herrscht. Er half ihr zu verstehen, was geschehen war und was noch geschehen würde. Sie drückt das Paket fest an ihre Brust, so als befände sich ein Talisman darin, der alles Leid fernhalten könnte. Und ist es etwa nicht so?, fragt sie sich. "Guten Tag, Fräulein Elvira", grüßt sie Chari, eine der Krankenschwestern. Sie informiert sie darüber, dass ihr Vater an diesem Morgen sehr ruhig ist. "Es scheint fast so, als wüsste er, dass Sie kommen". Elvira möchte ihr glauben, wirklich, möchte blind ihrem Instinkt vertrauen, aber sie ist nicht bereit, sich weiter selbst zu täuschen. Ihr Vater weiß nicht, dass sie kommt, er weiß nicht einmal, wer sie ist. Sie öffnet die Tür zum Zimmer und sieht ihn, in seinem Sessel sitzend, demselben, den er zu Hause hatte und den sie herbringen ließ, mit seinem schäbigen Bezug und den grässlichen grünen und roten Karos, die gar nicht zur restlichen Einrichtung des bescheidenen Zimmers passen, deren Pastelltöne sie mit Erlaubnis der Krankenschwestern ausgewählt hatte. Sie dachte - vielleicht dummerweise - dass ein entspannendes Ambiente ihrem Vater helfen würde, sich wie zu Hause zu fühlen. Der Mann, ehemals vor Kraft strotzend, wurde von der Krankheit ausgezehrt. Er verlor bereits an Gewicht, bevor er in die Obhut der Krankenschwestern übergeben wurde, und nahm nicht wieder zu - er wurde im Gegenteil noch magerer. Das war keine angenehme Erinnerung. Seine Augen liegen tief in den Höhlen und sein Mund ist halb geöffnet. Er reagiert wie ein kleiner Junge, wenn man mit ihm wie mit einem Erwachsenen spricht, und wenn man mit ihm wie mit einem Kind spricht, ist er fast beleidigt. Jedes Mal, wenn Elvira das Gesicht ihres Vaters ansieht, ist ihr bewusst, dass ihn diese verfluchte Krankheit von innen her auffrisst, dass er innerlich gegen den Verlust des Gedächtnisses ankämpft, dem er wegen bestimmter Proteine ausgeliefert ist, die seine Neuronen überschwemmen. Vielleicht ist es gerecht, dass etwas, das sie gar nicht versteht, etwas Mikroskopisches (und das ist ein Begriff, der nicht ausreicht), das Leben auf diese Weise ruiniert, seines und das der Menschen, die ihn umgeben. Sie kommt näher und kniet sich neben den Sessel, nachdem sie die Tasche vorsichtig auf das Bett gelegt hat. Sie nimmt sanft seine Hand, ganz so, als glaubte sie - trotz seiner geöffneten Augen - er schliefe und als hätte sie Angst, ihn zu wecken. Ihr Vater wendet den Kopf zu ihr hin und sieht sie an. Dass er die Mundwinkel leicht anhebt, macht die Woche für Elvira zu etwas Besonderem. Sie wiederholt nicht mehr hartnäckig "Erinnerst du dich an mich, Papa? Weißt du, wer ich bin? Ich bin es, Papa, Elvira, deine Tochter". Und dann die Tränen, weil er sich trotz aller Bemühungen nicht erinnern konnte. Jetzt nicht mehr, es freute sie einfach, ihn lächeln zu sehen. "Weißt du, was ich hier habe?", fragt sie ihn, indem sie auf die Tasche zeigt. Zum zweiten Mal, seit sie an jenem Morgen gekommen ist, scheint der alte Mann die Frage zu verstehen und den Inhalt der Tasche zu kennen oder zumindest eine Vorstellung davon zu haben. Und so, als wäre Weihnachten und ihr Vater nicht ihr Vater sondern vielmehr ein Sohn, nimmt sie aus der Tasche das Geschenk, das sie ihrem Vater am sechsundzwanzigsten Tag eines jeden Monats seit fast zehn Jahren mitbringt. Es ist eine Schallplatte aus Vinyl, auf deren Hülle ein gedrucktes Porträt von Wolfgang Amadeus Mozart zu sehen ist. Die Platte enthält unter anderem das Klavierkonzert in H-Dur, das Lieblingsstück ihres Vaters. Immer dasselbe, denn es ist das Einzige, woran er sich erinnert. Sie platziert sie auf dem Plattenspieler und hebt die Nadel, um sie sanft auf die schwarze Vinyloberfläche zu setzen. Sie lässt die Schallplatte nicht dort, weil sie Angst hat, man könnte sie ihm wegnehmen oder sie könnte verloren gehen, und er würde den Verlust nicht ertragen. Die Musik beginnt, und dann beginnt ihr Vater zufrieden den Kopf im Takt zu bewegen. Er spricht nicht mehr, bittet mündlich um nichts mehr, seit Monaten äußert er kein einziges Wort, er bewegt sich nur dann selbstständig, wenn er dem Musikstück zuhört. Seine Füße heben und senken sich kaum merklich im Rhythmus der Musik. Elvira sitzt auf dem Boden, wendet ihre Augen nicht von ihm ab, hypnotisiert, versunken, träumend. Wenn das ALLEGRO erklingt, spielt bereits ein offenes Lächeln um die Lippen ihres Vaters. Die alten Finger, angegriffen und deformiert von einer schweren Arthritis, scheinen ihm nicht weh zu tun, wenn er sie in der Luft bewegt, als würde er spielen. Elvira weiß, dass ihr Vater das Stück perfekt interpretieren würde, wenn jemand ihn an ein Klavier setzte. Die Sekunden vergehen, und Elvira ist nicht mehr im Pflegezentrum für Alzheimerpatienten, sondern zu Hause, mit ihren Eltern. Das Stück ertönt vom Plattenspieler und ihr Vater beobachtet sie und ihre Mutter, wie sie zum Klang der Komposition von Mozart tanzen. Er lächelt zufrieden und bewegt -so wie jetzt auch - die Finger. Eines Tages fragte sie ihre Mutter, warum ihr Vater von allen Schallplatten, die er besaß - nicht nur jenen von Mozart, sondern von vielen anderen klassischen Komponisten - nur diese eine vom Anfang bis zum Ende zu spielen schien. Ihre Mutter wusste darauf keine Antwort. "Dein Vater spielt nicht Klavier, das macht er nur, weil es ihm gut gefällt und er sich vorstellt, wie er mit einem philharmonischen Orchester hinter sich auf einer Bühne steht. Das ist dein Vater! Tolle Vorstellungen hat er! Und jetzt lauf und wasch dir die Hände." Diese Antwort stellte Elvira nicht zufrieden. Jahre später hatte sie einen Freund, der im fünften Jahr Klavier am Konservatorium studierte. Zu ihrem Geburtstag wünschte sich Elvira nur eines: sie wollte ihn dieses Stück von Mozart spielen sehen. Eine etwas seltsame Bitte, wie ihr Freund bemerkte. Trotzdem spielte er für sie. Er sagte ihr, dass das Stück technisch nicht das Beste des Komponisten sei, das es unglaublichere Dinge, herausragender Konzerte gebe. Elvira hörte ihm jedoch nicht zu, es war nicht nötig, ihren Vater vor sich zu haben, um die raschen Bewegungen der Finger wieder zu erkennen. Es war das gleiche Stück, sie nahm sogar an, dass ihr Vater es besser spielen konnte. In den darauf folgenden Tagen versuchte sie ihn darauf anzusprechen. Schließlich entschied sie sich für den direktesten Weg. "Ich wusste nicht, dass du Klavier spielst." "Das tue ich auch nicht." "Dieses Stück das von Mozart. Du spielst es immer, wenn du die Platte auflegst, in der Luft mit den Fingern." "Welches? Das Konzert in H-Dur? Ich spiele es nicht, Schatz, es gefällt mir einfach sehr und ich tue so, als würde ich es spielen." "Die Ausführung ist perfekt." "Nein. Sie wird nie perfekt sein." Der Tonfall ihres Vaters hielt sie davon ab, weiter nachzubohren. Und es sollte noch einige Jahre dauern, bis sie den Grund dafür erfuhr. Es war zu der Zeit, als die Alzheimer-Diagnose gestellt wurde. Er ließ sie allein zu sich kommen. Ihre Mutter war schon vor einiger Zeit gestorben und ihr Vater wollte damals weder mit seinen Geschwistern, seinen Cousins noch sonst jemandem aus der Familie außer mit ihr selbst sprechen. Er saß auf einem Ruhebett und ließ die Füße baumeln. Er hatte noch seinen stattlichen Bauch und das Doppelkinn, die ihm eine freundliche Ausstrahlung verliehen. Er umarmte sie und Elvira konnte sehen, dass er weinte. "Ich habe Angst", sagte er zu ihr, "große Angst, Elvirita. Ich will dich nicht vergessen." "Das wirst du nicht", log Elvira. Sie sagten nichts. Das Schweigen wurde von ihrem Vater gebrochen, als er mit seiner Beichte begann. Elvira sollte keinen Ton sagen, weder während jenes Monologs noch während ihres restlichen Lebens, niemand sonst sollte davon erfahren. "Ich war nicht ganz ehrlich zu deiner Mutter. Ich wurde in Cáceres geboren, aber ich habe nicht bis zu meinem fünfzehnten Lebensjahr mit meinem Vater auf dem Feld gearbeitet. Als ich erst sechs Jahre alt war, schickten sie mich nach Madrid, um am Konservatorium in der Hauptstadt zu studieren. Ich hob mich von meinen Mitschülern ab, es hieß, dass ich wunderbar spielte, ein Engel, sagten die Bischöfe, die mich einluden, Requiems und Sonaten in ihren Kirchen oder direkt in ihren Häusern zu spielen. Ich sollte gerade mein erstes Solokonzert geben, als der Krieg ausbrach. Ich wollte keine Partei ergreifen, aber wir waren dazu gezwungen. Ich kam zu den Nationalen, und vielleicht bin ich deshalb noch am Leben, ich weiß es nicht. Lange Zeit hindurch trafen sich unsere Truppen vor dem Kampf in einer Madrider Bar, die es jetzt nicht mehr gibt. Ich ging in meiner Uniform auf die Bühne und spielte. Zuerst Coplas, die die Soldaten laut mitgrölten. Dann, etwas später, wenn fast alle gegangen waren, spielte ich die klassischen Stücke, die ich immer schon gut kannte. Eines Nachts lernte ich eine Frau kennen, die bis zur Sperrstunde blieb und dieses Stück von Mozart hörte, nach dem du mich gefragt hast. Sie hieß Rosa, und sie war das schönste Wesen, das ich je in meinem Leben gesehen hatte. Jede Nacht kam sie, um mich spielen zu sehen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis wir gemeinsam nach Hause gingen. Es war wie in diesem Film, der dir so gefällt, der mit Bogart, "die Welt wird verrückt und wir verlieben uns". Du weißt schon, welchen ich meine. Also mir ist dasselbe passiert. Jede Nacht spielte ich für sie beim Straßenlärm auf einem kleinen Piano, das sie in ihrer Wohnung hatte. Ich erinnere mich an sie, wir beide nackt am Klavier sitzend, meine Hände auf ihren, wie ich ihr beibringe, das Stück zu spielen. Sie hat es nie gelernt. Jedes Mal, wenn ich spielte und sie mir zuhörte, war ich noch glücklicher als zuvor. Einmal nahm sie mir das Versprechen ab, dass ich diese Partitur nur für sie spiele, für niemanden sonst. Wenn du nicht bei mir bist, werde ich nie mehr für jemanden spielen, antwortete ich ihr. Vier Tage später starb sie auf den Straßen von Madrid durch eine verirrte Kugel, wenn in einem Krieg nicht alle Kugeln verirrt sind. Es war der sechsundzwanzigste Mai. Später lernte ich deine Mutter kennen und wir heirateten. Ich spielte nie mehr. Ich vermisste es, aber es gab anderes. Dich. Auf nichts in meinem Leben bin ich stolzer. Obwohl seit meiner Jugend so viele Jahre vergangen sind, kann ich immer noch eine Unzahl von Stücken spielen, die ich in Kürze vergessen werde. Wenn ich zwei Erinnerungen behalten dürfte, so wäre es die Erinnerung daran, wie ich dich zum ersten Mal sah. Und die andere wäre dieses Konzert in H-Dur, weil es dann so wäre, als säße ich wieder neben ihr, nackt am Klavier, und liebte sie." Die Platte war zu Ende und damit auch das Spiel ihres Vaters. Elvira lächelte, sicher, dass zumindest eine der beiden Erinnerungen lebendig war, die er bewahren wollte. Er hatte sie so tief in sich vergraben, dass das Untier sie nicht finden konnte; jenes Delirium, das die Degeneration begleitete, machte sie nicht ausfindig. Sie wünschte sich, dass es auch den ersten Tag ihres eigenen Lebens nicht ausgelöscht haben mochte, aber das konnte sie nicht wissen, ihr blieb nichts anderes übrig, als daran zu glauben. Sie nimmt die Schallplatte wieder an sich, küsst ihren Vater sanft auf die Stirn. Sie verspricht ihm, am sechsundzwanzigsten des nächsten Monats wiederzukommen und die Platte wieder mitzubringen. Viele Leute verabschieden sich von ihr, als sie das Vestibül des riesigen Gebäudes verlässt. Sie erreicht ihr Auto und steigt ein, den Schlüssel bereit um den Motor zu starten, aber sie überlegt es sich noch einmal. Sie bleibt ruhig sitzen und hält die Platte fest, die sie aus der Tasche genommen hat. Sie betrachtet das Konterfei des Komponisten, mit dieser altmodischen Perücke und dem Lächeln auf dem Gesicht. Sie küsst die Plattenhülle und schmeckt das Salz der Tränen auf ihren Lippen. "Danke, Mozart", flüstert sie, "danke dafür, dass du meinen Vater befreit hast."
Übersetzung: Judith MOSER-KROISS
Adresse: C/Ceuta Nº2 2ºB, 30003 Murcia - SPANIEN E-Mail: jesusolivanavarro@gmail.com
Mozarte - Mariana Luiza Macedo
Ich bin am 17. August 1981 in Belo Horizonte, Minas Gerais, geboren. Ich schreibe Texte seit meiner Jugend. Im Jahr 2001 habe ich am Wettbewerb "Escreva com Eça" ("Schreib mit Eça") teilgenommen, der von der Site Globo.com gemeinsam mit der Site Autoria veranstaltet wurde. Der Wettbewerb bestand darin, eine Mini-Serie von Rede Globo, "Os Maias", die auf dem gleichnamigen Buch von Eça de Queiróz beruhte, für die heutige Zeit zu adaptieren. Ich war die Gewinnerin des Wettbewerbs. Und im Jahr 2003 habe ich an einem anderen Wettbewerb teilgenommen, veranstaltet von Scipione, der darin bestand, ein Jugendbuch zu schreiben. Scipione hat 11 Werke ausgewählt, darunter auch meines. Aber es wurde nur eines veröffentlicht, das von Jugendlichen ausgewählt wurde. Mein Buch war nur unter den 11 ausgewählten Werken. Seither schreibe ich Erzählungen und einen Blog unter der Adresse: www.conversandocomasparedes.blogger.com.br.
Mozarte
Mozarte! Mozarte! Komm, das Essen steht auf dem Tisch! Mozarte! Mozarte, das ist mein Name. In Wahrheit schreibt er sich Mozart, aber alle sagen Mozarte, und vor kurzem habe ich entdeckt, dass sie mich eigentlich Mozar rufen müssten. Ohne das "t". Ich hasste meinen Namen. Er war immer anders als all die anderen Namen, die ich kenne. Und darum wurde ich von meinen Schulkollegen gehänselt, von den Straßenbanden, den Typen am Strand . Hier in der Favela heißen alle anders als die Bewohner der der sogenannten guten Viertel. Uelinton, Uoxinton, Kelly. Nicht genug, dass mein Name anders war als der von wohlbehüteten Bürgerkindern, er klang sogar hier im Viertel fremd. Ich habe erst angefangen ihn zu mögen, als ich entdeckte, dass es außer mir noch einen anderen Mozart auf der Welt gab. Und dass wir, trotz aller Unterschiede, auch eine Menge gemeinsam hatten. Ausgesucht hatte den Namen meine Mutter. Sie sagte, dass sie, als sie mit mir schwanger war, im Haus eines Mannes gearbeitet hat, der nur Mozart hörte. Meine Mutter erzählt, ihr Arbeitgeber sei Musiker gewesen, Dirigent eines Orchesters, das immer in diesem Theater der Reichen, dem mit den bunten Glasfesnstern, spielte, das es im Stadtzentrum gibt. Sie erzählt auch, dass er einige sehr seltsame Instrumente hatte. Mit sehr ausgefallenen Namen. Oboen, Fagotte, Hörner . Eine Gitarre, die so groß war, dass man sie nicht im Schoß spielen konnte. Und im Wohnzimmer eine Maschine, die Tasten hatte, aber kein Klavier war, und bei welcher der Ton aus Rohren kam. Wenn meine Mutter diese Geschichten erzählte, musste ich immer nur daran denken, was das wohl für ein Ding war und wie die Töne klingen würden. - Mama, singt er gut? - Er singt nicht, mein Sohn. Diese Musikstücke haben keine Texte -Aber wie das? Das muss ja öd sein, oder? - Sie sind nur für Instrumente, aber wenn du das hörst . - Und spielt er selbst? - Wird wohl so sein - Spielt er Tamburin? - Ich glaube nicht. - Er spielt all diese ausgefallenen Instrumente von denen du gesprochen hast, nicht wahr? - Genau, Mozart. Er war ein Genie der Musik . Ich liebte es, wenn meine Mutter von Mozart sprach, auch wenn sie ganz offensichtlich kaum etwas über ihn wusste. Wenn sie sagte, dass er ein Genie der Musik war, fühlte ich mich auch als etwas Besonderes, und manchmal kam ich mir gar wie ein Genie vor. In Wahrheit wusste meine Mutter nur, dass Mozart ein berühmter österreichischer Komponist und ein sehr humorvoller Mensch gewesen war. Aus diesem Grund hat mich meine Mutter bei meiner Geburt auf diesen Namen getauft. Meine Mutter wollte dass ich fröhlich sei und anders als der Rest unserer Familie. Mein Vater war, wie mir scheint, ein trauriger Mann und machte aus meiner Mutter auch eine traurige Frau. Er verschwand auf Nimmerwiedersehen, als sie noch mit mir schwanger war, und meine Mutter zog mich und meine vier Geschwister alleine auf. Neben meiner Mutter war es Herr Chiquinho, der Besitzer der Eckkneipe unten am Anfang der Favela, der mich am meisten über meinen Namensvetter lehrte. Herr Chiquinho war ein Einzelgänger, er hatte weder Frau noch Kinder und gab all sein Geld für CDs, Platten und für Musikzeitschriften aus. Bei ihm habe ich Mozarts Musik zum ersten Mal gehört. Selbst ohne Text, ohne Sänger und ohne Tamburin lief es mir kalt über den Rücken. Während ich Mozart hörte, in der Kneipe von Herrn Chiquinho, erwachte in mir der Traum, einmal eine Oper zu sehen. - Das ist etwas für die Reichen. Nur die besseren Leute gehen in die Oper . - Aber ich möchte wissen wie das ist . Das muss schön sein Wo gibt es eine? - Eine Oper? Im Stadttheater.
Als ich das erste Mal versuchte, ins Stadttheater zu kommen, war ich zehn Jahre alt. Während meine Kumpane in der Favela Drachen steigen ließen, marschierte ich ins Viertel Cinelândia und verbrachte den Tag damit, auf den Stufen des Theaters zu sitzen und das Leben vorbeiziehen zu lassen Ich durfte nicht hinein, aber trotzdem blieb ich auf der Treppe und beobachtete die Leute. Es war wunderbar, den edel gekleideten Damen zuzusehen, wie sie ins Theater hetzten und ganz gerührt wieder herauskamen. Manche weinten sogar. Und dies stachelte meine Neugier nur noch mehr an. Was passierte dort drinnen, dass es die Leute so veränderte? - Verschwinde von da, Bengel, geh woanders hin betteln! - Aber, Herr Aufseher, ich habe nicht geb - Zieh Leine! Hau ab! Unzählige Male wurde ich mit einem Bettler oder mit einem Straßenjungen verwechselt. Die Leute, die diese Stufen hinaufstiegen und ins Theater gingen, sahen mich entweder mitleidig oder ängstlich an. Einige gaben mir Geld, obwohl ich nicht bettelte. Andere machten Bemerkungen über mein Herumlungern, aber nie fragte mich jemand, was ich dort tat. Nur einmal . - Hallo, Mädchen. - Hallo. - Heute gibt es eine Oper, nicht wahr. Bist du Sängerin? - Nein, Tänzerin. - Wie heißt du? - Constanza - antwortete sie, während sie eilig die Treppe hinaufstieg. - Du heißt wie die Frau von Mozart. Mein Name ist Mozart - willst du mich heiraten? Die Tänzerin war schon oben angekommen, als ich um ihre Hand anhielt. Ich erinnerte mich an eine Geschichte, die mir Herr Chiquinho über meinen berühmten Namensvetter erzählt hatte. Als dieser noch ein Kind war, bat auch er eine Adelige, ich weiß ihren Namen nicht mehr, um ihre Hand . Constanza kam wieder die Treppe herab und sah mich wortlos an. Einen langen Augenblick. - Du willst sagen, du heißt Mozart? Wie alt bist du? - Zwölf. - Hast du gewusst, dass Mozart mit zwölf Jahren eine Oper komponiert hat? - Und mit sieben hatte er schon eine Symphonie geschrieben. Was ist der Unterschied zwischen Symphonie und Konzert? Constanza lachte. Aber es war kein spöttisches Lachen, wie ich es schon gewohnt war. Es war ein überraschtes, bewunderndes Lachen. - Ich bin schon spät dran. Jetzt habe ich Probe, danach erklär ich es dir, einverstanden? Auch wenn ich nie eine Oper gesehen hatte und den Unterschied zwischen Konzert und Symphonie nicht kannte, wusste ich doch, dass die erste Oper Mozarts bei den Adeligen keinen Anklang gefunden hatte. Bei solchen Dingen kenn ich mich aus. Ich weiß sehr gut, was es heißt, diskriminiert zu werden. Noch eine Ähnlichkeit, abgesehen vom Namen. Und Constanza, die wie die Frau des österreichischen Mozart hieß, nahm den Mozart aus der Favela unter ihre Fittiche. Sie war es, die mir das Stadttheater vorstellte, in einer Galanacht. Eine Oper von Mozart. Constanza hat sich mit mir zwei Stunden vor Beginn der Oper vor dem Theater verabredet. Auf der Treppe. Ich war schon da, als sie ankam, und sie brachte einen für mich piekfeinen Anzug mit. Ich habe die Oper von oben, von einer der Loge aus gesehen. Mit einem Opernglas. Das war der schickste Ort, an dem ich in meinem Leben war. Überall nur feine Leute. Es war alles so schön Nur bevor die Oper losging, hatte ich irgendwie Angst. Ich war der einzige, der an diesem Ort anders war. Ich war immer der andere, überall. Aber Constanza, die meine Furcht bemerkte, nahm meine Hand und flüsterte mir leise ins Ohr "Mozart, der österreichische, war auch anders und sein Talent blieb oft unverstanden. Anders sein kann sich toll anfühlen!" Und die Oper begann.
Übersetzung: Sylvia JUTZ
Adresse: Alm. Castro Alves, 167, Cavaleiros, Macaé-RJ Cep: 27933-180 - BRASILIEN E-Mail: mariana.luiza@globo.com
Die 42. Symphonie - Juan Planas
1944 in Barcelona, Spanien, geboren, lebt Juan Planas seit seiner Kindheit in Argentinien. Er widmet sich Arbeiten, die mit der Veröffentlichung von Büchern und Zeitschriften im Zusammenhang stehen. Er hat in verschiedenen elektronischen Zeitschriften Erzählungen publiziert: Almiar: www. margencero.com/ , EOM: www.eldigoras.com/eom , Ficticia: www.ficticia. com/ , Proyecto Sherezade: http://home.cc.umanitoba.ca/%7Efernand4/ index.html ; Parole con: www.parolecon.com/ , Letralia: www.letralia. com/
Die 42. Symphonie
Vor etwas mehr als zwanzig Jahren bewarb ich mich für ein Stipendium für ein dreimonatiges Postgraduate-Studium in Salzburg, Österreich. Um das Stipendium zu erhalten, musste man eine strenge Prüfung über das Werk Wolfgang Amadeus Mozarts bestehen. Sollte ich es erhalten, würde mir das für meine Karriere als gerade erst fertiger Musikwissenschaftler sehr helfen. Ich hatte geplant, einmal ein Buch über die Musik Salzburgs zur Zeit Mozarts zu schreiben, und wenn es mein Lebenslauf zuließ, einen Lehrstuhl an der Universität zu bekommen. Nach einer schlaflosen Nacht, die ich mit Studieren zugebracht hatte, machte ich einen Morgenspaziergang durch San Telmo, mein Stadtviertel, um munter zu werden. Es war Sonntag, die Defensa-Straße hatte sich in Fußgängerzone verwandelt, und Tausende Menschen, Touristen wie Einwohner anderer Stadtviertel von Buenos Aires, streiften in der Gegend um die Plaza Dorrego umher, sahen sich die Schaufenster der Antiquariate an oder wohnten den Darbietungen der Straßenkünstler bei. Manchmal war ich stehen geblieben, um einer alten Frau zuzuhören, die auf einer sehr in die Jahre gekommenen Viola Mozarts Türkischen Marsch oder irgend ein mehr oder weniger bekanntes Stück des Musikers spielte; das war etwas Seltenes, da die meisten Straßenmusiker in San Telmo immer nach dem Geschmack der Touristen Tangos zum Besten geben. Diesmal war die alte Frau in Begleitung eine jungen, fast noch einer Jugendlichen. Das Mädchen zog mich vom ersten Moment an, in ihren Bann. Sie war zart, ihr rosiges Gesicht war von Sommersprossen überhäuft und ihr Haar war ganz hellbraun, fast blond. Auch wenn ihr Kleid, das typisch für irgendeine Gegend in Zentraleuropa war, zu weit an ihr herunterhing, drückte die morgendliche Brise ihr zeitweilig die marineblau-weiße Bluse und den roten Rock eng an, wodurch sich ihre üppigen Formen zeigten. Ein altertümliches Häubchen bedeckte ihr Haar teilweise. Ich dachte wegen der offensichtlichen Ähnlichkeit zwischen den beiden, es handle sich um Großmutter und Enkelin. Diesmal war es die junge, die das Instrument spielte; mit einer gewissen Nachlässigkeit spielte sie einen traditionellen Tango, während die Alte ruhig an ihrer Seite stand. Als Constanza - so hieß das Mädchen, wie ich später erfahren sollte - das Stück beendete, nahm die Alte die Viola und begann den Türkischen Marsch. Ich warf eine Münze in die Schale, die vor den Frauen lag, und ging. Obwohl ich die ganze Zeit, die mir zur Verfügung stand, zum Studium nützen musste, beschloss ich, der jungen Frau mit der Viola den Hof zu machen. Ich hatte keine Ahnung, wie ich mich an sie heranmachen sollte. In Ermangelung einer besseren Idee ging ich am darauf folgenden Sonntag dort hin, wo sie in der Defensa-Straße spielten. Ich wartete, bis sie ihren Arbeitstag beendeten, was mich Stunden heimlicher Überwachung kostete, und folgte ihnen aus der Ferne. Ich musste nicht weit gehen, weil sie in eine nahe gelegene Pension in der Balcarce-Straße eintraten. Ab damals richtete ich mich jeden Tag für Stunden in einem nahen Café ein, von welchem aus ich die Bewegungen in der Pension beobachten konnte. Um meine Zeit nicht zu verschwenden, nach ich meine Bücher und Aufzeichnungen mit und lernte Mozarts Werk im Café. Glücklicher Weise bedrängte der Besitzer die Gäste, die lange über ihrer Lektüre sitzen blieben, nicht. Jedes Mal, wenn Constanza herauskam, war sie in Begleitung der Alten; das war ein Nachteil. Aber eines Tages kam die Alte allein heraus und trug eine ziemlich große Tasche; ich fasste einen schnellen Entschluss: und wenn ich ihr folgte? Ich bezahlte und ging hinter der Alten her. Nach einigen Häuserblocks betrat sie ein Souvenirgeschäft für Touristen; ich musste eine ganze Weile warten, bis sie wieder heraus kam. Als sie es tat, nun mit leerer Tasche, überquerte sie die Straße, ging unsicher ein paar Schritte und blieb dann stehen und lehnte sich an eine Mauer. Ihr schien schlecht zu sein, weshalb ich ihr zu Hilfe eilte. - Fühlen Sie sich nicht wohl, Señora? Kann ich etwas für Sie tun? Die alte Frau stotterte irgendetwas Unzusammenhängendes. Ich geleitete sie in ein Café, das nur wenige Schritte entfernt lag, und bestellte einen Tee für sie und einen Kaffee für mich. - Trinken Sie den Tee, Señora. Sie werden sich gleich besser fühlen. Minuten später schien die Frau sich zu erholen und begann zu sprechen, mit ausländischem Akzent und einem manchmal seltsamen Satzbau. - Mir ist schwindlig geworden In letzter Zeit passiert mir das manchmal Wenn es kalt wird schlecht fühle ich mich. Ich musste Püppchen liefern Sie trank ihren Tee aus und betrachtete mein Buch - eine Ausgabe, die Partituren und Korrespondenz Mozarts in Faksimiles reproduzierte - und das Heft, das ich auf dem Tisch liegen hatte. - Oh, das sind Bücher über Mozart! Sind Sie Musiker? Ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr sie fort: - Ah, großer Musiker, Mozart! Ja Ja großer Musiker. Ich habe einzige Partitur Mozartsymphonie Niemand hat, nur ich. Ich konnte den Satz nicht verstehen; ich dachte, dass sich sicher die mangelhafte Kenntnis des Spanischen mit dem konfusen Zustand der Frau vermischte. Da sie ziemlich erholt aussah, bot ich ihr an, sie in einem Taxi nach Hause zu begleiten; ich hatte die Hoffnung, Constanza zu treffen und mit ihr zu sprechen. Wenige Minuten später läutete ich die Glocke der Pension. Eine Frau, von der ich später erfuhr, dass es die Besitzerin, Frau Ignacia, war, empfing uns, und ich sagte ihr, dass der Frau schlecht geworden war. - Arme Frau Frida! Treten Sie ein, ich werde Constanza rufen. Wir traten ein. Die Besitzerin deutete mir an, ich solle mich in einen kleinen Saal setzen, und verschwand durch eine andere Tür. Wenige Sekunden darauf kam sie in Begleitung von Constanza zurück. - Omi! Was ist mit dir passiert? Ich erklärte ihr, was geschehen war und versuchte, sie zu beruhigen. Constanza zeigte sich dankbar. Zum ersten Mal sah ich sie ohne ihren folkloristischen Sonntagsaufputz; sie trug eine gewöhnliche Jean und eine etwas ausgeschnittene Bluse, die den Blick auf die unzähligen Sommersprossen freigab, die ihre wohlgeformten Brüste bedeckten. Constanza forderte die Alte auf, sich hinzulegen. Diese weigerte sich. - Ich will, dass er Partitur sieht! Sie ist einzige von Mozart! Er muss sie sehen! rief sie plötzlich aus und erhob sich. Als sie hinausging, warfen die Pensionsbesitzerin und Constanza einander einen Blick zu. - Meine Großmutter ist in letzter Zeit etwas erregt. Allen will sie eine Partitur zeigen, von der sie glaubt, dass sie von Mozart sei. Sicher hat sie Ihnen schon davon erzählt. Ihr ganzes Leben lang hielt sie geheim, dass sie diese Partitur versteckt hatte, und jetzt hat sie die Anwandlung, allen Leuten davon zu erzählen. Gehen Sie besser, bevor sie Sie noch mehr Zeit vergeuden lässt. Sie ist fähig, Sie stundenlang mit ihren Geschichten hinzuhalten. Ich hatte das Verlangen, den Besuch hinauszuzögern, um mit Constanza sprechen zu können, auch wenn ich das Geschwätz ihrer Großmutter über mich ergehen lassen müsste. Ich wäre lieber mit dem Mädchen allein gewesen, aber für den Anfang war das auch schon was. Ich antwortete: - Oh, machen Sie sich keine Sorgen! Ihre Großmutter ist reizend, und in ihrem Alter kann sie sich ein paar Marotten leisten Ich habe ohnehin Zeit. Nachdem ich mich versichert hatte, dass die Pensionsbesitzerin den Saal verlassen hatte, fügte ich hinzu: - Und wenn Sie bleiben, um uns Gesellschaft zu leisten, wird dies eine höchst angenehme Zeit für mich. Sie antwortete nicht, blieb aber sitzen. Da ihre Großmutter jeden Augenblick mit ihrer guten Partitur zurück sein konnte, beschloss ich, Constanza ohne weitere Umschweife auf einen Kaffee einzuladen. Bevor Constanza antworten konnte, stürzte die Großmutter mit einem dünnen, aber großen in Leder gebundenen Band herein. - Das ist Partitur von einziger Symphonie Mozart! Sie, der Musik kennen, Wichtigkeit, dass Sie verstehen. Schauen Sie, schauen Sie. Geduldig nahm ich den Band. Obwohl das Leder im Lauf der Zeit sehr dunkel geworden war, konnte man auf dem Einband ein deutsches Wappen, in Relief gedruckt, sehen. Ich öffnete das Exemplar und sah ein in gotischer Schrift auf Deutsch geschriebenes Titelblatt, auf dem nochmals das Wappen des Einbands zu sehen war. Ich gab der Alten nach und blätterte um; hier begann die eigentliche Partitur. Meine Gleichgültigkeit verflüchtigte sich sofort; nach monatelangem Studium der Faksimiles von Mozarts Manuskripten konnte ich seine Handschrift auf Anhieb erkennen. Ich durchblätterte fiebrig die ganze Partitur; es handelte sich um eine vollständige Symphonie, aber es war keine der einundvierzig, die im Köchelverzeichnis registriert sind, und sie schien von Mozart höchstpersönlich geschrieben worden zu sein. - Was sagen Sie? Nicht wahr, sie ist einzigartig? Sie kennen Musik von Mozart, die Señora Frida plapperte unaufhörlich, während ich die Blätter des Manuskripts durchsah. Ich sagte der Alten, das Manuskript sei sehr interessant; sie wollte nichts davon wissen, es mir zu borgen, damit ich es eingehend studieren könne, noch, damit ich es fotokopierte. Sie wollte nicht, dass die Partitur sie auch nur für einen Moment verlasse, solange sie lebte, noch dachte sie daran, sie um welchen Preis auch immer zu verkaufen. Schließlich, als Constanza sah, dass die Großmutter müde wurde, forderte sie sie auf, sich ausruhen zu gehen. - Gut, ich gehe ausruhen, aber du begleite so freundlichen Herrn bis Tür, sagte Frida. Constanza führte mich zur Tür der Pension. Sie dankte mir neuerlich dafür, dass ich ihre Großmutter begleitet hatte, ohne die Partitur zu erwähnen; offensichtlich glaubte sie, mein Interesse für das Manuskript sei gespielt, und meine Absichten bezögen sich allein auf sie. - Ich hatte Sie auf einen Kaffee eingeladen, sagte ich ihr. - Jetzt muss ich mich um meine Großmutter kümmern. - Und später? Sie ahnen nicht, wie sehr ich mir wünsche, mit Ihnen zusammen zu sein! Endlich willigte sie ein, und an jenem Nachmittag trafen wir uns in einem nahe gelegenen Café. Constanza stimmte zu, ihre Großmutter zu bitten, mir zu erlauben, nochmals in die Pension zu kommen, um mir die Partitur genauer anzusehen; sie zögerte, zuzustimmen, als ich ihr vorschlug, auszugehen, und wechselte das Thema. Sie erzählte mir, dass ihre Großmutter ihr das Violaspielen beigebracht hatte, wenn auch nicht gut; dass sie klassische Musik nicht sehr mochte, ihr aber das Tanzen Vergnügen bereitete, und dass sie den Wunsch hatte, zu reisen; und dass sie ein Gutteil des Tages damit zubrachten, Tiroler Püppchen herzustellen, die die Alte an das Geschäft verkaufte, aus dem ich sie herauskommen sah. Sonntags gingen sie in der Defensa-Straße Viola spielen. Tags darauf legte ich endlich die Prüfung ab. Zwei Tage später ging ich nochmals in die Pension. Ich saß in einem der zerschlissenen Fauteuils des vor Jahrzehnten hellgrün gestrichenen Saals, unter einem Bild des heiligen Kajethan mit seiner Weizenähren, die am Rahmen haftete, und prüfte unter dem erwartungsvollen Blick der Señora Frida ein paar Stunden lang die Partitur. Constanza war für ein paar Minuten bei uns. Ich wollte wissen, wie das Manuskript in ihren Besitz gelangt war, bekam aber keine klare Antwort. Alles, was ich verstehen konnte, war, dass einer ihrer Vorfahren es einer sehr reichen und mächtigen Familie im 19. Jahrhundert in einer Zeit großer Unruhen entwendet hatte. Warum jene Familie die Mozart-Partitur länger als ein Jahrhundert heimlich gehabt hatte, war ein Rätsel; möglicher Weise wusste sie nichts von ihrer Existenz. Die Familie der von Constanzas Großmutter emigrierte 1938 aus Österreich; offenbar hatte sie Schwierigkeiten mit dem Naziregime. Vielleicht dachte Frida, sie könnte wegen des illegalen Besitzes des Manuskripts Probleme haben, und hatte daher seine Existenz bis vor kurzem verheimlicht. Einige Tage danach erfuhr ich, dass ich das Stipendium gewonnen hatte, weshalb ich Vorbereitungen für die Reise traf. Ich rief Constanza an, die einwilligte, sich mit mir im Café zu treffen. Ich erklärte ihr, dass ich das Stipendium erhalten hatte und drei Monate in Österreich verbringen würde. Ich erzählte ihr meine Pläne, ich sagte ihr, ich wolle sie heiraten. Constanza hörte mir schweigend zu und betrachtete mich mit ihren tiefblauen Augen; schließlich bat sie mich, ihr Zeit zu geben, um sich ihre Antwort zu überlegen; sie war sehr jung, sie wollte eine so wichtige Entscheidung nicht übereilen Ich fragte sie, ob wir uns wenigstens bei meiner Rückkehr sehen könnten, und sei es nur als Freunde. Sie sagte ja, und sie akzeptierte auch, dass ich ihr aus Salzburg schrieb. Mein Flugzeug ging am darauf folgenden Montagabend; an jenem Morgen ging ich in die Pension, wo mich die Señora Ignacia empfing. - Die Señora Frida und Constanza sind ausgegangen; ah, fast hätte ich es vergessen! Warten Sie, ich habe etwas für Sie, sagte sie, und ging Richtung Küche. Sie kam mit einem Umschlag zurück. - Constanza bat mich, Ihnen das zu geben, wenn Sie vorbeikämen. Kaum hatte ich die Pension verlassen, öffnete ich den Umschlag. Ich fand einige Püppchen, die die Großmutter und Constanza machten, und ein Zettelchen, auf dem sie mir eine gute Reise wünschte. Mein Aufenthalt in Salzburg war eine wunderbare Erfahrung, unauslöschlich; aber ich will nicht näher darauf eingehen. Drei Monate lang dachte ich pausenlos an Constanza und an die Mozart-Partitur. Ich fragte mich, ob die Großmutter Constanza das Manuskript schenken würde, wenn wir heirateten. Ich wünschte, die Authentizität der Partitur nachzuweisen und den Fund zusammen mit dem Studium der Symphonie zu verkünden. Später einmal würde uns sicher ein Kulturministerium oder irgendeine Universität ein kleines Vermögen für das Original anbieten; die berufliche und finanzielle Zukunft waren abgesichert. Etwas beunruhigte mich: Constanza antwortete auf keinen der Briefe, die ich ihr schickte. Meine Versuche, telefonisch mit der Pension Kontakt aufzunehmen, scheiterten, was ich den damaligen schlechten Verbindungen zuschrieb. Kaum nach Buenos Aires zurückgekehrt, lief ich zur Pension. Die Señora Ignacia empfing mich und geleitete mich in den Saal, wo sie mit Doña Susana und Señorita Francisca beim Tee saß, die mich mit Begrüßungen und Fragen bedrängten. - Wie ist es Ihnen auf Ihrer Reise ergangen? Haben Sie sich gut unterhalten? fragte die Señora Ignacia; es lag etwas in der Luft, was mir nicht gefiel; die drei sahen mich mit einer Mischung aus erwartungsvollen und belustigtem Blick an. - Der Herr möchte sicher Constanza sehen, sagte Señorita Francisca. - Sicher, sicher! Wie bedauerlich! rief Doña Susana aus. - Ist was? fragte ich, schon besorgt. - Die arme Frau Frida erkrankte, kaum dass Sie abgereist waren. Sie kam ins Spital und starb zwei Tage später. Danach tauchte öfters ein Herr auf, den Constanza in der Defensa-Straße kennen gelernt hatte. Es scheint, als hätte dieser Herr gesagt, Constanza sein sehr begabt für's Tanzen, und er würde sie in Europa berühmt machen. Eines Tages ging das Mädchen mit ihm; diese Mädchen von heute , die Señorita Francisca beendete ihren Satz nicht. - Sie bezahlte mir nicht einmal den letzten Monat. Ich musste die Sachen von Doña Frida verkaufen, um das herauszubekommen, was sie mir schuldeten. Glücklicher Weise fand ich einen neuen Mieter, einen Elektriker, endete die Señora Ignacia. Ich hatte Constanza für immer verloren Die Frauen beobachteten mich und konnten dabei kaum ihre boshafte Freude verbergen. Die Mozart-Partitur! Ich reagierte plötzlich und fragte: - Hat Constanza die Partitur mitgenommen? - Dieses ledergebundene Musikbuch? Das war sehr alt; ich habe nicht einmal versucht, es zu verkaufen. Interessiert es Sie? fragte die Señora Ignacia, mit einem gierigen Schimmer im Blick. - Ja. - Warten Sie einen Augenblick, sie ging in Richtung Küche und kam mit dem Buch zurück. Hier haben Sie es. Weil Sie es sind, kann ich es Ihnen um fünfzig Pesos überlassen. Ohne auf das wissende Lächeln der Señora Ignacia und ihrer GästInnen zu achten, nahm ich das Buch und öffnete es. Sie hatten alle Seiten herausgerissen! Es war nur mehr die Hälfte der letzten da, mit ein paar Schlusstakten der Symphonie. Darunter stand, von der Señora Ignacia notiert: Zahnarzt (am Nachmittag anrufen) und eine Telefonnummer. Als sie meine Überraschung bemerkte, erklärte die Señora Ignacia: - Ich benützte die Blätter, um meine Einkaufslisten und solche Sachen aufzuschreiben Sie waren ja zu nichts gut. Etwas beunruhigt fragte sie: Wollen Sie es trotzdem kaufen? Ohne zu antworten, holte ich die fünfzig Pesos aus meiner Hosentasche und ging mit dem, was von der Partitur übrig geblieben war.
Beinahe ein Viertel Jahrhundert ist vergangen. In einer halben Stunde Reise ich nach Salzburg; ich bat an der Fakultät, an der ich unterrichte, um Freistellung, weil der Verlag, der mein neuestes Buch herausgegeben hat - eine Studie über die einundvierzig Mozartsymphonien - wünschte, dass es der Öffentlichkeit im Rahmen der Festspiele, die dieses Jahr mit dem zweihundertfünfzigsten Geburtstag Mozarts zusammenfallen, präsentiert wird. In Salzburg wurde ich eingeladen, einige Vorträge zu halten. Evelina, die ich vor etwa fünfzehn Jahren heiratete, wird mich begleiten. Ich öffne einen Kasten und ich nehme jenen ledernen Band heraus, der die halbe Seite der Mozartsymphonie enthält; ich sehe ihn melancholisch an. Wenn ich nur daran denke, dass die Welt durch die Schuld der dummen Pensionsbesitzerin eine Symphonie des großen Musikers verloren hat, diejenige, die die zweiundvierzigste wäre! Und ich bin um die Ehre gekommen, die mir zuteil geworden wäre, hätte ich sie bekannt gemacht. Bevor ich fahre - Evelina ruft mich, weil das Taxi eingetroffen ist - nehme ich für einige Sekunden ein Tiroler Püppchen, das immer auf meinem Schreibtisch steht. Was mag wohl aus Constanza geworden sein? Ich habe nie mehr etwas von ihr gehört Evelina drängt mich und wiederholt, dass das Taxi schon wartet. Ich lasse das Tiroler Püppchen auf dem Schreibtisch und verwahre die Partitur im Kasten.
Übersetzung: Ulrike ZOMORRODIAN-SANTNER
Adresse: Av. San Juan 245 - 12 D, (1047) Buenos Aires - ARGENTINIEN E-Mail: sanalpar@yahoo.com.ar
Flüchtiger Ritt - Mirta Alicia Gisondi
Ich wurde am 10. Oktober 1943 in der Bundeshauptstadt geboren. Vor 35 Jahren übersiedelten wir nach Ituzaingó in der Provinz Buenos Aires. Ich bin verheiratet und habe vier Kinder und vier Enkelinnen. Ich schreibe Monographien, Modulzusammenfassungen und korrigiere Arbeiten aus dem tertiären und universitären Bildungsbereich. Seit vier Jahren schreibe ich und habe bereits in mehreren Anthologien als Finalistin bei Wettbewerben veröffentlicht: Hommage an Cortázar (2002), Gedichte und Erzählungen in Argentinien 2004 und Gesang an das Leben der Katholischen Universität. Im November 2004 erreichte ich den 2. Platz für Tango-Texte in meiner Stadt. Heuer wurde ich beim Wettbewerb der Buchmesse von San Nicolás (Provinz Buenos Aires) ehrenvoll erwähnt."
Flüchtiger Ritt
Das Fuhrwerk fuhr in die Stallung einer vornehmen Residenz ein: hier sollte der kleine Amadeus seine Künste vorführen. Sie kamen so an, dass er gerade noch ein paar Stunden schlafen konnte, um dann am nächsten Morgen vor seinem Auftritt genug Zeit zum Üben zu haben. Der Lakai führte ihn mit seinem Vater durch lange dunkle Gänge hin zu dem für ihn bestimmten Zimmer. Nicht immer hatten sie Glück: das hing von den Gastgebern ab. Wenn diese von der Virtuosität des Knaben wussten, bereiteten sie ihm möglicherweise einen Empfang mit eigens dazu geladenen Gästen, aber wenn es ihnen nur um das kindliche Alter des Interpreten ging, dann pflegten sie das Ganze eher wie eine Zirkusnummer aufzuziehen. Diesmal schien es gut zu gehen, denn sie sollten im Dienstbotentrakt schlafen. Da hatten sie schon bittere Erfahrungen, etwa wie sie einmal mit einem Strohsack bei den Pferden Vorlieb nehmen mussten. Das Kind stellte keine Fragen, folgte lediglich seinem Vater, der ihn wohlbedacht an verschiedenen Höfen vorstellte, wo Aristokraten und kirchliche Würdenträger ihm zuhörten. Oft genug fühlte er sich überfordert von den Aufgaben zu denen ihn sein Vater verpflichtete, aber die große Liebe zur Musik war stärker als alles andere, der Verlust seiner Kindheit war dagegen unbedeutend. Kaum war er in dem von einem Kerzenleuchter nur spärlich erhellten Raum untergebracht, schlief der junge Mozart ein, erschöpft von der langen Reise; während sein Vater Leopold mit dem Kutscher und dem Lakaien ging, um die Anweisungen für die Vorführung entgegenzunehmen. Um Mitternacht schreckte der Kleine auf und rief nach seiner Mutter. Die Zweige der Bäume schlugen gegen die Scheiben und die Vorhänge bewegten sich im Zugwind, der durch die Fenster drang. Im ersten Augenblick wusste er nicht, wo er war: der Raum ähnelte so manchen in denen er in den letzten zwei Jahren geschlafen hatte. Er hatte Sehnsucht nach zu Hause, nach Geborgenheit und Zuwendung. Meistens vergaß er wo er war, und die Angst bewirkte, dass er nach der Mutter rief, ohne zu denken, welch große Entfernung ihn von ihr trennte. Er kletterte aus dem riesigen Bett und ging auf den Gang hinaus. Das milde Licht einer Öllampe verstärkte noch die Angst, die ihn umfangen hielt. Aus der Küche drang verhaltenes Murmeln und er vermeinte, die Stimme und das Lachen seines Vaters zu hören. Er konnte nicht bis zu ihm gelangen: eine stämmige Frau erwischte ihn an einem Arm und brachte ihn im Fluge ins Bett zurück, nicht ohne ihm vorher tausenderlei Empfehlungen mitzugeben. Mit zusammengebissenen Zähnen legte er sich nieder, hielt aber vor lauter Angst die Augen offen und starrte forschend ins Dunkel. Da sah er, durch die Finsternis hindurch, in einem Winkel ein Holzpferdchen stehen: es schaukelte verführerisch. Sachte näherte er sich. Er erinnerte sich nicht, es bei seiner Ankunft gesehen zu haben; nun aber stand es da, vor seinen Augen. Das edle Rösslein, aus feinem Holz gedrechselt, trug als Sattel ein rotsamtenes, mit Goldfäden besticktes Kissen. Die aus Atlasbändern geflochtenen Zügel lagen sanft auf seinem zierlichen Hals. Vom Halfter hingen zwei Seidenquasten herab und auf dem Kopf trug es einen bunten Federbuschen. Amadeus stieg auf, streichelte die holzgeschnitzte Mähne, die sich steif und doch zart anfühlte, schloss die Augen und schaukelte behutsam nach vorne und dann nach hinten. Das Reiterlein griff energisch in die Zügel und befahl los zu reiten. Der Weg wand sich dahin und das Pferd wurde immer schneller, wie der Wind, bis es endlich zwei weiße Flügel ausbreitete und flog. Und es flog höher und höher bis der Erdboden nicht mehr zu sehen war, nur mehr Himmel und Wolken. Eine wohlklingende, irdische Musik durchflutete sein Gehirn; der Wind schlug ihm beißend ins Gesicht, aber er empfand weder Angst noch Kälte. Es war zum ersten Mal seit langer Zeit, dass er solch tiefe Erregung verspürte, bei etwas, das weder von Klaviertasten noch Violinensaiten kam; ja mehr noch: er konnte diese Musik ganz und gar in sich aufnehmen, sie entsprang völlig natürlich, wie eine Quelle aus dem Fels. Das Holzpferdchen führte ihn durch fremde Gegenden, hinweg über prunkvolle Paläste und undurchdringliche Wälder, flog knapp vorbei an hohen Berggipfeln und dicht über die Sandwüste. Einen kurzen Augenblick kam ihm ein adeliger Ritter entgegen, ebenfalls auf hölzernem Ross, der schien die wunderbare Reise zu genießen. Obwohl dieser Spazierritt das erträumte Spiel war, konnte das Kind nicht umhin, die Noten aus diesen Melodien in seinem Gedächtnis festzuhalten; sie sprudelten ganz anmutig hervor, ohne Zwänge, ohne Verpflichtungen. Als ihn die Müdigkeit überkam, gab Amadeus seinem Reittier den Befehl zur Rückkehr. Das Pferdchen legte seine Flügel an und landete sanft auf dem Fußboden des Zimmers, gerade in dem Augenblick, als sein Vater Leopold Mozart eintrat. Der Knabe schloss die Augen und tat als ob er schliefe, und so hob der Vater ihn behutsam vom Sofa und legte ihn ins Bett. Das feurige Rösslein verschwand langsam im Dunkel und suchte schließlich Zuflucht in den unbefriedigten Träumen des Kleinen.
Übersetzung: Kristin MÜLLER
Adresse: Lavalleja 433 (1714) Ituzaingó, Prov. de Bs. As - ARGENTINIEN E-Mail: mirtagisondi@yahoo.com.ar
Jorge Antunes
Erzählung: "Concerto n° 5" (Rio de Janeiro 23/4/1942). Er ist Komponist, Konzertmeister, Universitätsprofessor und schreibt Literatur seit seiner Jugend. Seine literarische Produktion ist vielfältig, obwohl wenig bekannt. Im November 1967 nahm er an der Eröffnung der Bewegung Poema-Processo in Rio de Janeiro teil, neben Alvaro de Sá, Newton Sá e Wladimir Dias Pino, und stellte seine Gedichte in der berühmten und polemischen Ausstellung im ESDI in der Rua de Passeio aus. Die Verbreitung seiner Gedichte, Chroniken und anderer Texte beschränkte sich auf einige Sammelbände, Sammelbücher und Zeitungen. Im Verlag Hemisfério Sul veröffentlichte er sein Buch (Jugendliteratur) A Morte do Arco-Íris. Im Jahr 2001 gewann er den ersten Preis beim Erzählungs-Wettbewerb der Zeitschrift Poiésis.
Adresse: SHIN QI 5 - Conjunto 3 -0 Casa 23, CEP 71505-730 Brasília-DF - BRASILIEN E-Mail: antunes@unb.br
Marcos Aurelio Arcaya Pizarro
Erzählung: "Walkman Amadeus Mozart" (La Ligua, Chile, 24/5/1979). Er bereitet sich auf das Magisterium in Spanisch an der Universität von Santiago vor - an der Universität von Chile hat er im Jahre 2004 einen akademischen Grad erworben. Derzeit nimmt er am "Colectivo Literario Lingua Quiltra" teil. Bisher hat er nur Essays und Artikel in kleinen gedruckten und virtuellen Zeitschriften veröffentlicht.
Adresse: Ortiz de Rozas nº37, La Ligua, Petorca, Valparaíso - CHILE E-Mail: linguaquiltra@yahoo.es
Pablo Alejandro Brunet
Erzählung: "El destino del hombre" (Santa Fe/Argentinien, 30/8/1985). Er hat an der "Universidad Nacional del Litoral" Betriebsverwaltung studiert und an vielen regionalen Literaturwettbewerben teilgenommen: unter anderen am "Certamen de Poesía" Hugo Mandón und am "Certamen Literario El Puente".
Adresse: San Lorenzo 2463, (3000) Santa Fe - ARGENTINIEN E-Mail: pbrunet_85@hotmail.com
Antonio Calle González
Erzählung: "El cenotafio" Magister in englischer Philologie, derzeit verfasst er an der Universität von Sevilla seine Doktorarbeit über englische und nordamerikanische Literatur mit einer Forschungsarbeit über Das Konzept der Geschichte in der englischen Gegenwartsdichtung 1970-2000. Auf dem Gebiet der Literaturkritik hat er Bücher wie: Die Ästhetik des Grotesken in der englischen Literatur des 19. Jahrhunderts: die Romane Charles Dickens, veröffentlicht. Er hat auch einiges über interdisziplinäre Themen publiziert, wie über die Filmkunst (Exploring Film Art / Explorando el Arte Filmico) oder Artikel über die Beziehung zwischen der Malerei und der Literatur (La lectura de un cuadro - la contemplación de una narrativa in Monografías de Arte).
Adresse: Avda. Juan XXIII, 39, E-41710 Utrera (Sevilla) - SPANIEN E-Mail: jmcalle@us.es
Antonio Daganzo Castro
Erzählung: "¿Qué tal Mozart?" (Madrid, Spanien, 10/7/1976). Magister der Informationswissenschaften von der "Universidad Complutense de Madrid", er hat sich der Lokalpresse - im besonderen - der kulturellen gewidmet und seit 1996 beschäftigt er sich mit Radioprogrammen klassischer Musik. Seine literarische Arbeit erfuhr bei diversen Wettbewerben ehrenvolle Erwähnungen; einige seiner Erzählungen und Gedichte wurden in Anthologien veröffentlicht. Vor kurzem brachte er den Gedichtband Siendo en tí aire y oscuro (Madrid, 2004) heraus.
Adresse: Madrid - SPANIEN
Samuel Fierro Franco
Erzählung: "Un grandioso día" (Bogotá, Kolumbien, 26/12/1960). Toningenieur - Studium der Elektronik und der Musik. Er liebt es, Saiteninstrumente und Klavier zu spielen. Musikliebhaber und Studierender des Lebens historischer Personen, im besonderen, von Musikern und anderen Künstlern.
Adresse: Calle 8 No. 69-39 Piso 2, Bogotá D.C. - KOLUMBIEN E-Mail: studyboxsafi@gmail.com
Félix Amador Gálvez
Erzählung: "La Reina de la Noche" (Moguer, Spanien, 1965). Er begann sehr früh mit dem Schreiben. Im Alter von 11 Jahren gewann er seinen ersten literarischen, außerschulischen Preis Mit 18 verbrannte er all seine Gedichte und kehrte zum Traum zurück, Geschichten zu schreiben. In den Neunzigerjahren hatte er bei Radio Moguer ein literarisch-musikalisches Programm, im Zuge dessen er als Kritiker und Geschichtenerzähler auftrat. Derzeit arbeitet er in einem andalusischen Krankenhaus. Er gewann die Literaturpreise "Castillo de Cortegana", den Wettbewerb "Edisena" für Minierzählungen,den Preis "Ciudad de Palos" und jenen des "Relato Gastronómico del Restaurante El Chiscón", außer anderer ehrenvoller Erwähnungen.
Adresse: Calle Obispo Infante, 7, E-21800 Moguer (Huelva) - SPANIEN E-Mail: moguer@gmail.com
Fabiano García
Erzählung: "Escritos anónimos" (San Juan, Argentinien, 3/7/1969). Sie ist Magistra in visueller Kunst im Bereich Kunstgeschichte von der "Universidad Nacional de San Juan". Fabiana arbeitet als Forscherin, ordentliche Professorin und Ratgeberin für "Projekte visueller Kunst" am "Instituto de Formación Docente Continua de Villa Mercedes" in der Provinz San Juan.
Adresse: Dr. Pedro Quiroga 252 (oeste), (5400) San Juan - ARGENTINIEN E-Mail: frgarciag@yahoo.com.ar
Florie Krasniqui
Erzählung: "Requiem" (Schweiz, 22/4/1982). Florie lebt seit Kindesbeinen an in Spanien, wo er den Großteil seiner Studien bewältigt hat. Im Jahr 2005 spondierte sie in "Literaturtheorie und Vergleichender Literaturwissenschaften" an der Universität von Granada; in diesem Jahr beginnt sie noch mit den Vorlesungen für das Doktorat in "Literatur- und Kunsttheorie und in Vergleichender Literaturwissenschaften" an derselben Universität; dieses Studium bringt sie in Einklang mit dem zweiten Zyklus französischer Philologie.
E-Mail: procellaest@yahoo.es
Margarita Paulina Mallo
Erzählung: "All that Mozart" (Buenos Aires, 30/10/1949). Abiturientin des Colegio Nacional De Buenos Aires. Sie studierte Geisteswissenschaften an der Fakultät für Philosophie und Geisteswissenschaften der Universität von Buenos Aires. Beim Erzählwettbewerb "Victoria Ocampo 2004" erhielt sie den 2. Preis.
Adresse: Av. Santa Fe 2808 - piso 7º, dto. "A", (1425) Ciudad Autónoma de Buenos Aires - ARGENTINIEN E-Mail: margamaisto@yahoo.com.ar
Anabela Mimoso
Erzählung: "Anda brincar comigo" (Lisboa, 9/1/1953). Licenciada em História, mestre em Cultura Portuguesa, professora de Português, autora de vários livros de Literatura Infantil, entre os quais D. Bruxa Gorducha, distinguido em 1996 pela Revista White Ravens. Lecciona também Literatura Infantil numa Escola Superior de Educação. Tem participado em sessões para alunos e educadores e feito comunicações em colóquios, debates, congressos sobre Literatura Infantil.
Adresse: Al. Conde Samodães, 270, ap. 20, 4 430-069 Vila Nova de Gaia - PORTUGAL E-Mail: msaturnina@portugalmail.pt
Eduardo Pombo
Erzählung: "El tango del Angel" (Buenos Aires, 8/1/1926). Er ist Journalist. Eduardo hat Erzählungen und Artikel in Zeitschriften und Tageszeitungen von Buenos Aires und von Mar del Plata veröffentlicht. Seine Bücher: "Saavedra, un barrio y un tiempo añorados" (1992), "Buenos Aires: Tango y Borges" (2000), "El mismo Cielo por testigo" (2005).
Adresse: Las Heras 2876 2° C; (7600) Mar del Plata - ARGENTINIEN E-Mail: eduardo26mar@argentina.com
Alejandro José Ramón
Erzählung: "Réquiem en Re Menor" (Buenos Aires, 4/12/1937). Arzt seit 1960 - Spezialgebiet: Orthopädie und Kindertraumatologie. Zwanzig Jahre lang war er Chefarzt im Kinderspital von Mar del Plata. Er schreibt zum Vergnügen - seit seiner Pensionierung im Jahre 2002. Alejandro nimmt an der Schreibwerkstatt des PUAM (Programa Universitario para Adultos Mayores) der "Universidad Nacional de Mar del Plata", die seit 2004 von Frau Prof. Delia Saenz geleitet wird, teil. Im erwähnten Zeitraum hat er vier Preise bei verschiedenen Wettbewerben für Kurzerzählungen erhalten.
Adresse: O'Higgins 273, (7600) Mar del Plata - ARGENTINIEN E-Mail: alejandro.ramon@gmail.com
Carola Saavedra Hurtado
Erzählung: "Wolfigã" (03/03/1973). In Santiago do Chile geboren und in Brasilien aufgewachsen. Im Juli 2005 wurde ihr Erzählband "Do lado de fora" beim Verlag Editora 7Letras veröffentlicht. Sie hat bereits bei mehreren Literaturzeitschriften veröffentlcht. Momentan arbeitet sie als Übersetzerin.
Adresse: Av. Sernambetiba 3300, bl. 3, apto. 1103, Cep. 22630-010, Barra da Tijuca, Rio de Janeiro - RJ - BRASILIEN E-Mail: carolasaavedra@gmail.com
Juan María Solare
Erzählung: "Mozart reencarnado" (Buenos Aires 11/8/1966). Er ist Komponist und Pianist, erfuhr seine musikalische Ausbildung hauptsächlich in Buenos Aires und Köln. Seine mehr als 250 Kompositionen werden in vielen Ländern Europas und in Amerika aufgeführt und im Rundfunk gesendet. Er unterrichtet Klavier an der "Musikschule Bremen", hält Vorträge und Seminare über zeitgenössische Musik und leitet ein Ensemble an der Bremer Universität, das sich dem Tango widmet. Juan María komponiert Musik für Kurzfilme und Animationen für das Internet. Als Klavierspieler gehören seine Vorlieben dem Tango und der klassischen Musik des 20. Jahrhunderts. Er schreibt für viele Zeitschriften (ca. 200 Essays und Erzählungen, die in Argentinien, Spanien, Mexiko, Deutschland, England und Österreich veröffentlicht wurden.).
Adresse: Adam-Stegerwald-Strasse 15, 51063 Köln - DEUTSCHLAND E-Mail: solare@surfeu.de
Santiago Blas Torales
Erzählung: "Sueño o desvelo" (Córdoba, Argentinien, 15/1/1971). Er arbeitet bei elektronischen Medien mit, wie "Inventiva Social", Argentinien, "Mizares", Spanien, "LaLupe, Literatura de Vanguardia", Mexiko. Santiago ist in den Lyrikanthologien "De pluma y tinta" (CEN ediciones, Córdoba, Argentinien) und in "En bandada" (Santa Fe, Argentinien) vertreten.
Adresse: Pedro Ferré 948, (3000) Santa Fe de la Vera Cruz - ARGENTINIEN E-Mail: nahrid@yahoo.com.ar
Germán F. Touza
Erzählung: "Wolf9an5" Derzeit studiert er Musik und Geisteswissenschaften an den Fakultäten für Kunst und für Philosophie und Geisteswissenschaften der Universität von Buenos Aires. Im Einzelunterricht lernt er auch Gitarre und Gesang.
Adresse: Andrés Lamas 2064, (1416) Ciudad Autónoma de Buenos Aires - ARGENTINIEN E-Mail: germantouza@yahoo.com.ar
Valentina Truneanu
Erzählung: "Sinfonía 40 en Gran Caimán" (Maracaibo, Venezuela, 4/3/1980). Sie ist Akademikerin mit abgelegtem Staatsexamen und Magistra in Sprachwissenschaften und Sprachenunterricht. Beim V. Lyrikwettbewerb der "Casa de la Poesía Juan Antonio Pérez Bonalde (1996) erhielt sie einen Anerkennungspreis, beim "Concurso de Corpozulia" (1997) wurde ihr der 1. Preis im Bereich Erzählungen und ein Anerkennungspreis im Bereich Lyrik zuerkannt. Beim I. Wettbewerb für Minierzählungen des "Bajo Aragón" (2005) war sie dabei, sowie Finalistin im I. Wettbewerb für Kurzerzählungen "El planeta de los libros" (2005). Sie hat den Erzählband El mito de la segunda parte (2000) geschrieben und war als Dozentin an der Universität von Zulia tätig.
Adresse: Calle 73 esquina con avenida 11. Nº 11-12. Edificio Las Trinitarias. Apartamento 6. Maracaibo, Estado Zulia - VENEZUELA E-Mail: vtruneanu@iamnet.com